ES WAR EINMAL IN AMERIKA: 300 JAHRE US-AMERIKANISCHE KUNST

Ausstellung im Walraf-Richartz Museum in Köln bis 24.03.2019

Schon immer habe ich mich gefragt, wie es um die Kunst in Nordamerika vor dem zweiten Weltkrieg bestellt war, ich sah nichts, ich hörte nichts. Doch dann kam die Ausstellung „Es war einmal in Amerika“ und jetzt endlich bringen mehr als 130 Leihgaben aus der Zeit zwischen 1650 – 1950 Licht in die Sache oder besser an die Kunst.

Die ersten Siedler, die aus Europa stammten, brachten zunächst ihre Traditionen und Geschmäcker mit. Die Künstler orientierten sich an den europäischen Vorbildern der Romantik wie zum Beispiel an William Turner und am Realismus. In Szene gesetzt wurden die überwältigende, unberührte und weite Landschaft, in Verbindung mit der Staatsgründung 1776  entstanden Historienbilder und schließlich Poträts, um die Pionierleistungen festzuhalten.

So erinnert eine Landschaft des aus Solingen stammenden Künstlers Albert Bierstadt („Donner Lake“) stark an die romantischen Bilder von Caspar David Friedrich.

Nachhaltig wurde die Landschaftsmalerei der USA durch die 1820 entstandene Hudson-River-School geprägt: hier wird mit der Natur die Ehrfurcht vor der Schöpfung betont und mehr noch ein nationales Symbol geprägt.

Mit der Entstehung der großen Städten ändern sich auch die Motive:  jetzt geht es auch um städtische Szenen, Boxkämpfe, Einkaufstrubel, und auch sozialkritische Werke bleiben nicht aus. Philip Evergood erinnert mit „Das rosa Kündigungsschreiben“ und den überdimensioniert dargestellten Maler an Werke von George Grosz, der große Satiriker im Berlin der 20er Jahre, dessen Werke um Themen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Aufrüstung kreisen. In Amerika greifen diese Fragen die Künstler der Ash Can School (Ascheimer Schule) auf.

Viele Künstler in Amerika studieren auch in Europa, an den Kunstakademien in Düsseldorf (wie der oben erwähnte Bierstadt) und München oder in Paris. So hält beispielsweise der Impressionismus Einzug in Amerika (Childe Hassam (1859 – 1935), „Late Afternoon, New York, Winter“, 1900 siehe Foto oben) oder der Münchner Realismus. Eine aufgeklebte Dollarnote? Nein, sie ist nur täuschend echt gemalt! Dem Maler John Haberle (1856 – 1933) warf man zeitweise sogar Geldfälschung vor. Dabei war er nur ein Meister des Trompe l’oeil, des Augentäuschens (One Dollar Bill, 1890, Öl auf Leinwand).

Die Ausstellungsmacher der Armory Show in New York (1912) präsentieren schließlich die neuen europäischen Kunstströmungen wie Kubismus, Symbolismus, Surrealismus einem breiten amerikanischen Publikum wodurch diese Stilrichtungen Eingang in die amerikanische Kunst fanden. Das ausgestellte Bild von Stanton Macdonald Wright mit dem Titel „Frühlings-Synchromie“ könnte man leicht Delaunay zuordnen.

Auch Edward Hopper war auf der Armory Show vertreten. Er gilt als Vertreter des Realismus. Seine Bilder erzählen von Melancholie und Einsamkeit. In Köln sieht man unter anderem „Mädchen an einer Nähmschine“ von 1921 sowie das Bild „Hodgkin’s House“ von 1928.

 

 

Schließlich endet die Ausstellung mit dem Abstrakten Expressionismus, ein Neubeginn in der amerikanischen Kunst, denn es zählt nur der individuelle Ausdruck.  Trotzdem gab es auch hier Einflüsse aus Europa, denn unter den vielen Immigranten aus Europa sind auch namhafte Künstler wie Josef Albers mit seiner Frau Anni. Er unterrichtet jetzt am Black Mountain College in Ashville in North Carolina. Anni Albers wurde Assistant Professor für Weberei.

Auch der Maler Hans Hofmann ist unter den Immigranten und gründet in New York eine Kunstschule, die großen Einfluss auf die Entwicklung des Abstrakten Expressionismus hatte. Hofmann gilt als Künstler der ersten Generation der sogenannten New York School.

Der Einfluss aus Europa war also durch die Jahrhunderte hindurch gegeben. Erst nach dem zweiten Weltkrieg findet die amerikanische Kunst ihren eigenen Weg; der abstrakte Expressionismus mit Jackson Pollock (abstrakte gestische Malerei) oder Mark Rothko (Farbfeldmalerei),  war erst der Anfang. Die amerikanischen Kunstwerke sind seit dieser Zeit in allen bedeutenden Museen und Sammlungen in Europa gut vertreten.

Eine großartige Ausstellung mit unglaublich schönen Werken!

 

 

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