Rendez-vous mit Gott – die Magie der Ikonen

Entdeckt die Marienikonen!

Eine Ikone hat immer etwas Magisches…

Hand aufs Herz: Pop-Ikonen dieser Zeit fallen fast jedem spontan ein: ob Beatles oder Elvis, ob Madonna oder Michael Jackson… da müssen wir nicht lange überlegen.

Doch Marien-Ikonen … kennen Sie Beispiele? Kennen Sie deren Bedeutung?

Vielleicht kann dieser Artikel ein bisschen Licht in das Dunkel bringen; aber auch Sie als Leser können dabei helfen, wie unten noch zu erfahren ist.

I.

Was sind Ikonen?

Das Wort Ikone stammt von dem griechischen Wort “eikon”, was Bild oder Abbild bedeuted. Kurz gesagt handelt es sich um Kult- und Heiligenbilder der orthodoxen Kirche. Die Ikone ist für den orthodoxen Christen ein Kultbild, dem besondere Verehrung zukommt und das in seiner Bedeutung dem geschriebenen Wort der Evangelien gleichgesetzt wird. Die Verehrung, die der Ikone durch die Gläubigen zuteil wird, gilt jedoch nicht dem Bild als solchem, sondern den auf ihm dargestellten Heiligen. So wurde es durch die Konzilsbeschlüsse am Ende des “Bilderstreites” (Ikonoklasmus, 726-843) festgelegt.

Im Unterschied zur westlichen christlichen Kunst dienen Ikonen weder der Dekoration noch werden sie als Kunstgegenstände betrachtet, weswegen die Urheber sie in der Regel auch nicht signieren. Und auch wenn andere christliche Gemälde ebenfalls der Glaubensvermittlung dienen und zum Gebet einladen, geht die Bedeutung von Ikonen darüber hinaus: Der Gläubige vor einer Ikone trifft die Abbildung, es kommt zur Begegnung zwischen ihm und Gott. Ikonen bilden nicht ab, was unsere Augen sehen; sie machen sichtbar, was wir nicht sehen: Göttliche Wirklichkeit in Gestalten und Szenen.

Kennzeichen

Ein deutliches Merkmal ist die frontale und zweidimensionale Abbildung ohne Perspektive, da man ja keine Wirklichkeit abbilden will. Motive sind Christus, Maria, die Apostel, Engel und Heilige; die Abbildungen werden jeweils schriftlich genannt. Der Hintergrund ist oft goldfarben (Blattgold) und symbolisiert den Himmel. Die Ikone kennt kein Licht, das von aussen auf Gesichter, Gewänder und Gegenstände fällt. Die intensiven Farben haben symbolische Bedeutung: Purpur steht für göttliche Macht, Braun steht für das Irdisch-Menschliche. Die handwerkliche Ausführung unterliegt strengen Regeln und der Aufsicht der Kirche. Das Jesuskind wird in der Byzantinischen Tradition nie als Baby dargestellt, ist Jesus doch das Wort Gottes. Jesus trägt immer Kleidung von Erwachsenen, aber er wird kleiner als Erwachsene dargestellt.

Die Malstile und Themen der chritslichen Kunst waren in Ost und West bis in die Gotik hinein sehr ähnlich. Mit dem Aufkommen der Renaissance driften die Darstellungen jedoch weit auseinander. Der Künstler der Renaissance im Westen entdeckt und entfaltet seine schöpferischen Fähigkeiten und schafft seine eigene Welt. Er wird selbst zum wenn auch sterblichen Gott (Vasari) oder zum Neffen Gottes (Leonardo).

Die Ursrpünge

Der griechische Osten ist die wahre Heimat der Ikone. Sie entwickelte sich dort im 4. Jhd und verbreitete sich ab dem 5. Jhd von dort in andere Länder.

Als erster Ikonenmaler wird allerdings der Evangelist und Heilige Apostel Lukas (1. Jhd.) bezeichnet. Nach Aussage von Johannes von Damaskus malter der Apostel Lukas die erste Ikone des Jesus Christus und der Gottesmutter Maria.

Die ältesten erhaltenen Ikonen stammen aus dem 6. Jahrhundert.

Seit dem 7. Jahrhundert werden sie meist mit Tempera auf Holz gefertigt, eine Methode bei der neben Wasser und Farbpigmenten als Bindemittel Ei verwendet wird. Auch heutige Ikonenmaler verwenden diese Methode. Heute werden immer bereits bestehende Ikonenvorlagen verwendet, also niemals neue Bilder erfunden. Ikonen haben keinen Rahmen.

An einer Ikone erkennt man auch den Kulturraum, in welchem sie geamalt wurde. Es entwickelten sich verschiedene Schulen. Wichtige russische Schulen sind Kiew, Wladimir,  Nowgorod, Moskau, Palech; zu den wichtigsten griechischen Schulen gehören Konstantinopel, das Katarinenkloster Sinai und später Kreta. Auch aus Syrien stammen prächtige Ikonen.

II.

Bekannte Darstellungstypen von Marien-Ikonen

Eine Sonderstellung innerhalb der Ikonen hat die Darstellung der Muttergottes. Das christliche Konzil im Jahre 431 n.Chr. in Ephesus legitimierte die göttliche Mutterschaft der Heiligen Maria. Es entstand ein regelrechter Kult um die Marienverehrung. Sie wird in der orthodoxen Kirche himmlisch, dem Irdischen entrückt, in den westlich geprägten Kirchen eher menschlich dargestellt. Durch ihre fest zugeordnete, immer gleiche „Beschriftung“ sind die Ikonen der Gottesmutter eindeutig definiert. Das Gewand der Heiligen Maria zieren drei Sternsymbole, die Insignien der „immerwährenden Jungfrau“. Ein Stern befindet auf der Kopfbedeckung auf der Stirn, die beiden anderen Sterne sind links und rechts auf dem Gewand zu sehen. Manchmal wird ein Stern verdeckt, ist jedoch imaginär trotzdem vorhanden. Die russischen Ikonenmaler haben eine ganze Reihe von Marien-Bildtypen geschaffen. Es sind etwa 400 unterschiedliche Ikonen der Gottesmutter bekannt.

Der Evangelist Lukas soll die erste Muttergottesikone, die „Hodegetria-Ikone”, die Wegweiserin, gemalt haben, die die Kaiserin Eudoxia im Jahre 438 n.Chr. nach Konstantinopel gebracht haben soll. Sie ging mit der Eroberung von Byzanz durch das Osmanische Reich verloren. Über Kopien des Originals hat sich der Darstellungstyp jedoch bis heute erhalten. Die Gottesmutter trägt auf dem linken Arm das segnende Jesuskind, das aufrecht auf ihrem Arm thront und häufig eine Schriftrolle in der linken Hand hält. Mit ihrer rechten Hand zeigt Maria auf das Kind und präsentiert es so der Welt. Oft zeigt das Gesicht des Kindes Züge eines jungen Erwachsenen, so dass die Darstellung des Kindes auf das gesamte Leben Jesu hinweisen soll. Das Gesicht von Maria ist ernst und streng. Sie ist die in Russland weitverbreitetste Ikone und wird als Schutz gegen feindliche Überfälle und anderes Unheil betrachtet. Das Abbild der Ikone „Gottesmutter von Smolensk“ (1482)  gehört zu diesem Typus. Interessanterweise haben viele bekannte Maler kunstschilders die Szene “De heilige Lucas tekent de maagd en Christus”dargestellt wie Rogier van der Weyden (1440), Dirk Bouts ( 15. eeuw ) oder Dirk Bagaert (1480).

Eine weitere Variante diesen Typus ist die „Gottesmutter von Kazan”. Dort steht das Jesuskind an ihrer Linken, die Hand zum Segensgestus erhoben. Sie wird als Schutzpatronin der Stadt Kazan als eine der heiligsten Ikonen in Russland verehrt. Der Legende nach wurde sie von der neunjährigen Matrjona 1579 nach einem Brand in einem Versteck vor den muslimischen Tataren gefunden. Das Original der Ikone wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geraubt und ist seither verschollen; eine Kopie der Ikone wurde von Papst Johannes Paul II 2004 an Russland zurückgegeben.

III.

Beispiele aus der Sint Antoniuskerk, Etterbeek, Brussel

In der Kapelle der Sint Antoniuskerk befindet sich eine Ikone, die auf der Originalikone„Muttergottes von Wladimir” fusst. Die Originalikone ist die berühmteste Marienikone Russlands und stammt aus dem 12. Jhd. aus Konstantinopel.

Sie zeigt Maria und das Christuskind auf dem rechten Arm der Mutter sitzend, Wange an Wange geschmiegt. Man erkennt sofort eine innige Verbundenheit. Christus hat den linken Arm um ihren Hals geschlungen, die rechte Hand hält er ausgestreckt. Um 1131 gelangte die byzantinische Ikone als Geschenk des Patriarchen von Konstantinopel nach Kiev, von wo aus sie Fürst Andrej von Bogoljubovo 1155 nach Wladimir überführte und dort ihren bleibenden Namen erhielt. Ihr Ehrentitel „Mutter der russischen Erde“ weist auf ihren engen Zusammenhang mit der russischen Geschichte hin, die sie über Jahrhunderte begleitete und beeinflusst haben soll. 1395 und 1480 soll sie Moskau vor den Tataren errettet haben. Heute befindet sich die Ikone in der Tretjakow Galerie in Moskau.

Im Hauptgang der Kirche befindet sich eine weitere Ikone. Dabei handelt es sich um die Ikone „Maria – Mutter der immerwährenden Hilfe” (auch Muttergottes der Passion). Sie basiert auf einer byzantinischen Ikone, die im 14. Jhd. auf der Insel Kreta geschaffen wurde. Die Originalikone befindet sich heute in der Klosterkirche Sant’Alfonso in Rom.

Was sehen wir?

Wir sehen Maria mit Jesus im Arm. Sie trägt einen blauen Mantel über ein rotes Gewand. Das Gewand des Kindes ist in den Farben grün und braun. Blau steht für den Himmel und den Glauben, Rot für die Liebe, aber auch das Leid. Die grüne Farbe steht schliesslich für die Hoffnung: Jesus, die Hoffnung. Auffallend ist, dass Maria nicht auf das Kind blickt, sondern sich dem Betrachter zuzuwenden scheint. Aus diesem Blick spricht eine Art mitfühlende Aufmerksamkeit gegenüber den Sorgen der Menschen. Sie, die den Menschen die Liebe Gottes näher brachte, ist auch jetzt bereit, sich der Sorgen der Menschen anzunehmen und zu helfen. Jesus hingegen blickt zu dem seitlich schwebenden Erzengel Gabriel, der die Leidenswerkzeuge Kreuz und Nägel trägt. Sein Blick verweist auf seinen eigenen Leidensweg. Der Betende soll begreifen: Gott lässt uns nicht alleine, wir können uns hier der Mutter Gottes anvertrauen und um ihren Beistand bitten. So wie sie Jesus eine Stütze war, ist sie bereit, auch uns zu helfen.

Es ist ganz einfach:

Wange zn Wange: zum Beispiel Gottesmutter von Wladimir (oben 1)

Leidenswerkzeuge: Muttergottes der Passion/der immerwährenden Hilfe (oben 2)

Jesus segnet: Hodegetria-Ikone, zum Beispiel Gottesmutter von Smolensk, Gottesmutter von Kasan (oben 3)

 

 

Tipps:

Ikonenmuseum Kampen/NL  (seit 2005): eine der grössten Sammlungen von Metall und Reiseikonen der Welt; http://www.ikonenmuseumkampen.nl

Ikonen-Museum Recklinghausen/D (seit 1956): weltweit bedeutendstes Museum ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder; http://www.ikonen-museum.com

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