“Christo and Jeanne-Claude. Urban Projects”

Surrounded Islands, Greater Miami, 1980

Ich persönlich fand es immer etwas eigenartig, öffentliche Gebäude zu verpacken. Diese Idee kam Christo 1961, nachdem er zuvor schon Alltagsgegenstände verhüllt hatte.

Pont Neuf, Paris

Mit dem Besuch der Ausstellung im ING Center in Brüssel verschwand meine Skepsis: Denn Christo und Jeanne-Claude schufen nicht nur zeitlich begrenzte und Aufsehen-erregende Bau-Mutationen, sondern ein einzigartiges bleibendes Werk von Skizzen/Collagen, Modellen und Fotos. Manche Projekte wurden nie realisiert wie die Verhüllung der Bäume der Champs-Elysées in Paris. Dafür verhüllten sie in dieser Stadt 1985 die Pont Neuf. Auf seinen Collagen hat Christo die verhüllten Objekte oft mit echtem Stoff verhüllt wiedergegeben, und ihnen damit eine unvergleichbare Ausstrahlungskraft verliehen.

Verfolgt man die Karriere der beiden, kommt man auch zu wertvollen Schlussfolgerungen:

  • Denke langfristig, gib nie zu früh auf: denn oft lagen zwischen der Idee und der Realisierung Jahrzehnte.
  • Denke in Zusammenhängen: denn auch waren die Verhüllungen temporär, blieb ein einmaliges Werk von Skizzen, Modellen und Fotos.
  • Denke das Unmögliche: denn ja, man kann nicht nur Geschenke,, sondern generell alles verpacken wie Gebäude, Brücken, Denkmäler, Bäume, Inseln!

Im Unterschied zu Deutschland, wo die beiden zum Beispiel 1995 den Reichstag verhüllten (nach 24 Jahren Anlaufzeit), gab es in Belgien keine Verhüllungsaktion. Allerdings widmete ihnen 1967 eine Galleristin eine Ausstellung.

Der eigenwillige Weg, der lange Atem und die schöpferische Kraft des Künstlerpaares machten unsere Welt etwas bunter und interessanter. Eindrucksvolles Beispiel ist die Verhüllung des Central Parks in NY mit „The Gates“ (37 km of 7503 vinyl gates with fabric curtains) von 2005. Die verpackten Bäume in verschiedenen Teilen der Welt (zum Beispiel in Riehen in der Schweiz/Fondation Beyeler) versinnbildlichen außerdem, welch großes Geschenk die Natur ist.

Noch bis zum 25.02.2018 im ING Art Center, Place Royale 6, 1000 Brüssel.

 

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