Ausstellung “From China to Taiwan”, Museum Ixelles, Brüssel

 

Abstraktion à la chinoise.

In der Regel werden sie übergangen; wahrscheinlich sind sie nicht bekannt. Denn sonst führte kein Weg an ihnen vorbei: beeindruckend und wunderbar berührend wie sie sind, die abstrakten Werke, in Form von Gemälden und Zeichnungen der chinesischen Künstler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Erfreulich und längst überfällig also dass das Muséé d’Ixelles ihnen eine Ausstellung gewidmet hat:  “From China to Taiwan”, die erste Übersichtsausstellung dieser chinesischen Kunst mit 80 herausragenden Beispielen.

Viele chinesische Künstler waren nach der Machtergreifung der Kommunisten 1949 und später auch während der sogenannten Kulturrevolution (1966 und 1976) gezwungen, nach Taiwan, Europa oder Amerika auszuwandern. Dort hinterliess die Bekanntschaft mit der westlichen Kunst tiefen Eindruck und zum Glück auch deutliche Spuren. Schließlich bilden sich auch zwei Künstlergruppen: 1956 TON FAN (Orient), die sich zur östlichen Kultur bekennt, sich andererseits aber der Abstraktion öffnet und 1957 die Gruppe WUYEU (Maimonat), die sich ebenfalls an der abstrakten Kunst orientiert.

Chuang Che zeigt zum Beispiel den “dritten Weg”, eine Verschmelzung von westlicher und östlicher Kunst, nachdem er sich sowohl in den USA als auch in Europa aufgehalten hatte. Auch die Techniken werden übernommen wie Öl oder Acryl auf Leinwand. Beeeindruckend ist sein “Fire land” (Foto 4) von 1967, (Öl und Collage auf Leinwand), oder das schwarz-braune Werk “sans titre” von 1966.

Das minimalistische Werk des Künstlers Richard Lin erinnert zuweilen an Mondrian. Gelb auf Weiss, das kennen wir aber mit Aluminium wie bei “sans titre” (Foto 2)? Ho Kan gingegen zeigt geometische Abstraktion mit einer Referenz an seinen asiatischen Kulturkreis. Das Werk “sans titre” (Foto 3) von 1967 (Öl auf Leinwand) lässt stark an Miros Bleu II und Bleu III denken. Ho Kan verbrachte einen Grossteil seines Lebens in Milan.

Asiatisch geprägt und der Natur verbunden ist die horizontal ausgerichtete Zeichnung “Black Forest” (Foto 1) aus dem Jahr 1963 (Tinte auf Papier) des Künstlers Hsiao Ming-Hsien.

Die Abstrakte Malerei mit ihrer typischen Tendenz, jeden Bezug zur Gegenständlichkeit zu vermeiden,  setzt in Europa mit den Künstlern Kandinsky (ab 1912 mit seinen Improvisationen und Kompositionen), Malewich (das schwarze Quadrat von 1915), Piet Mondrian (1917 De Stijl) und vielen anderen ab 1910 ein. In den USA wird diese Malweise bereits zum ersten Mal abfärben: hier entwickelt sich in den späten 40er Jahren der abstrakte Expressionismus mit seinen zwei Richtungen Action Painting (Jackson Pollock) und Farbfeldmalerei (Helen Frankenthaler, Mark Rothko). Im Vergleich zu Europa ging es in Amerika weniger geometrisch dafür aber spontaner zu. Und noch einmal beeindruckt die Abstraktion eine weitere Gruppe von Künstlern : die Chinesen. Endlich bekommen wir deren Werke zu Gesicht!

 

Musee d’Ixelles
Museum van Elsene
Rue Jean Van Volsemstraat 71

1050 Brüssel

15.06. – 24.09.2017

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